Lonely Planet „England“

Der Lonley Planet „England“ macht seinem Namen alle Ehre. Mit dem über 750 Seiten starken Buch lässt sich das Land zwischen Canterbury im Südosten und dem Lake District im Nordwesten leicht bereisen. Zu jeder Region haben die Autoren in üblicher LP-Manier das Wichtigste zusammengetragen. Dabei haben sie so viele Städte, Regionen und Attraktionen zusammengetragen, dass mal wieder gilt: Wenn ein Ort nicht im LP auftaucht, lohnt ein Besuch dort eigentlich wirklich nicht. Aber Achtung: „England“ meint auch England. Von Wales, Schottland oder Nordirland ist in diesem Buch nichts zu finden. Dafür ist der LP England auf dem neusten Stand — denn die hier beschriebene zweite deutsche Auflage erschien erst im Juli 2017.

London, London, London – und das über fast 100 Seiten
Die typischen Touristenattraktionen bringt der LP allesamt. Der Hauptstadt und dem wohl unangefochtenem Reiseziel Nummer I, London, widmet der Reiseführer stolze 95 Seiten. Auf diesen stehen natürlich Must Do’s wie die Tower Bridge oder der Buckingham Palace. Daneben gibt es aber auch Attraktionen, die wohl nicht ganz oben auf dem Plan eines typischen London-Besuchers stehen würden, etwa das Museum of London Docklands. Für den Gaumen oder die Nacht in London weist der LP ebenfalls manche Infos auf: Viele verschiedene Restaurant, Pubs und Unterkünfte.

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Große und kleine Herrenhäuser gibt es in England viele — häufig finden sie sich auch im LP wieder. Foto: PRaiMe_Photo

Keine Großstadt endet hier zu klein
Daneben legen die Autoren den Reisenden aber auch andere, große und kleine Städte nahe. Manchester zum Beispiel sei „die ungekrönte Hauptstadt des Nordens“ , Birmingham „brummt tatsächlich“ und Brighton „ist der Badeort, den die Engländer nicht kühl, sondern cool finden“. Also alles Reiseziele? Aus Sicht der LP-Autoren bestimmt. Und damit könnten sie auch recht haben. Schließlich möchte der Leser nicht wissen, was er nicht besuchen sollte. Aber auch kleine Städtchen — wie zum Beispiel Rye an der Südküste — werden empfohlen. Und tatsächlich entpuppt sich Rye als ein kleines, schnukeliges Städtchen mit schmalen Gassen, die zum Durchschlendern einladen. Ein Ort, der laut LP „vermutlich England hübschestes Städtchen“ ist und selbst echten Engländern nicht zwangsläufig ein Begriff ist.

Wanderer greifen lieber zum Wanderführer
England ist aber nicht nur ein Ziel für Stadturlauber. Die typischen grünen Hügellandschaften mit vielen Schafen und langen Steinmauern, geben nicht nur schöne Fotomotive her, sie sind auch ideale Wandergebiete — und davon gibt es viele. Die Nationalparks des Landes, etwa der Lake District, der Peak District oder auch der New Forest NP kommen im Buch alle vor. Allerdings kommt an dieser Stelle der LP leider an seine Grenzen: Wie im gesamten Reiseführer, orientieren sich die Autoren an kommerziellen Anbietern von Aktivitäten. Bis auf wenige einleitende und beschreibende Sätze, bekommt der Leser kaum einen Eindruck von der Landschaft oder den Besonderheiten der Region. Und für Naturliebhaber und Wanderfans: Obwohl es in den Nationalparks und im gesamten Land wunderschöne Wanderwege gibt, verweisen die Autoren lediglich – und wenn überhaupt – auf Internetquellen für Wanderwege. Empfehlungen? Fehlanzeige. Besonders lohnenden Routen, oder Public Footpaths, widmen sich die Autoren leider überhaupt nicht. Stattdessen erschließt der LP auch solche Regionen wieder anhand der Orte und Städtchen. In den Cotswolds, einem „Area of Outstanding Natural Beauty“, bekommt der Leser die Örtchen Chipping Campen oder Broadway nahegelegt. Die vielen Pfade durch landwirtschaftlich genutzte Hügelzüge und die schmalen Sträßchen, die sich durch das 2046 km^2  große Gebiet ziehen, finden kaum Beachtung. Immerhin: Eine über 80-kilometerlange Autotour entlang der wichtigsten Anlaufpunkte empfiehlt der LP. Insgesamt wären in puncto Naturerlebnisse und Outdoor-Aktivitäten mehr Empfehlungen und persönliche Tipps der Autoren sehr wünschenswert gewesen.

Vertane Chance: Das Internet sinnvoll ergänzen
Gerade in Zeiten des Internets, in denen Reisende auch im Ausland schnell im Netz einige Wanderwege und landschaftliche Anlaufstellen herausfinden können, ist der Ratschlag eines erfahrenen LP-Autors häufig eine willkommene Hilfestellung. Gleichzeitig sind aber auch auffallend viele Attraktionen, Restaurants, Aktivitäten und Hotels mit dem „Tipp-Sternchen“ versehen, so dass es schwer fällt, diese als echten Ratschlag anzunehmen.

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Der Lonley Planet England
2. Dt. Auflage, 2017
ISBN 978-3-8297-4541-3

Günstige Unterkünfte sucht der Leser lange
Und noch ein Kritikpunkt ist am LP England zu finden: Obwohl die LP-Reiseführer noch immer insbesondere bei Backpackern beliebt sind, scheinen die Autoren in diesem Band eine andere Zielgruppe ins Auge zu fassen. Die vorgeschlagenen Unterkünfte sind nur selten Hostels, häufig Bed and Breakfasts oder gar Hotels. Konkrete Camping-Plätze fehlen zum Beispiel im Buch fast vollständig – und das, obwohl es in England zahlreiche Camping-Plätze gibt. Und auch was das Essen angeht, ist meist nicht die günstige Fish’n’Chips-Bude im kleinen Hinterlandkaff erwähnt, sondern eher ein ein Restaurant mit moderner britischer oder eins mit mediterraner Küche. Zwar finden sich Teils auch günstigere Einkehrmöglichkeiten, viele sind aber so teuer, dass sie für junge und sparsame Backpacker nicht in Frage kommen. Gleichzeitig schafft es der LP aber, mit den deutlich gekennzeichneten „GRATIS“-Attraktionen, besonders sparsamen Lesern auf den ersten Blick zu verdeutlichen, wo sie hinschauen müssen.

Ein guter Gesamtüberblick
Punkten kann der LP „England“ auch mit den allgemeinen Landesinformationen: Diese finden sich nicht nur am Anfang einer jeden Stadt und eines Dorfes mit wenigen, beschreibenden Informationen. Vor allem der allgemeine Teil zum Reiseland England gibt Urlaubern einen guten Überblick: Die wichtigsten 20 Orte, Tipps für eine Reise in wenigen Tagen oder auch vier Wochen. Und auch der Jahresüberblick, in welchem Monat dem Reisenden was geboten wird, ist ein toller Überblick.

 

 

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