Kochbuch für Backpacker

Es ist vollbracht – im Herbst 2017 ist auf der Frankfurter Buchmesse mein zweites Buch erschienen. Und diesmal wird es richtig heiß: Kochen im Nirgendwo ist ein Kochbuch für Backpacker und solche, die es erst noch werden möchten!
Auf meinen Reisen habe ich viele verschiedene Gerichte zusammengetragen, die schnell, günstig und trotzdem lecker kochbar sind – und das Ganze eben mit der bescheidenen Ausrüstung eines Backpackers. Glaubt Ihr nicht? Ist aber so – seht selbst: Kochbuch

 

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Kochen beim Roadtrip – hier an Neuseelands Westküste. Lecker war es auch: Carbonara.

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Kommentar zu „Das Armenhaus Europas“

Umdenken, und zwar bald!

Ein Kommentar von Philip Raillon zur Reportage „Das Armenhaus Europas

Erbärmlich – das trifft die Situation in Ostungarn wohl ganz gut. Die Bedingungen, unter denen die Sinti und Roma in der Provinz Miskolc leben, sind traurig. Als ich selbst Ende Mai nach Göncruszka fuhr, war ich auf einiges gefasst – aber mit diesen löchrigen Ruinen, in denen die Familien mit ihren kleinen Kindern hausen, hatte ich nicht gerechnet.

Wohlbemerkt: Wir reden hier von Ungarn, einem Mitgliedsland der Europäischen Union, knapp 1250 Autokilometer von meiner Heimat NRW entfernt. Göncruszka, das ist nicht der Nahe Osten, Asien oder Afrika, das ist Europa!

Keine Frage – auch die Ungarn selbst leben in dieser Gegend sehr einfach, zwar noch immer besser als ihre direkten Roma-Nachbarn, aber trotzdem nicht vergleichbar mit unserem Lebensstandard in Deutschland. Da drängt sich schon fast die Frage auf, was diese Gegend wirtschaftlich überhaupt mit Westeuropa zu tun hat. Was haben wir (Westeuropäer) damit zu tun? Wieso gehört dieser Teil zur EU?

Geht man über die holprige Dorfstraße, kann man wohl tatsächlich lange nach Verbindungen suchen.

Eine Vision: Die Europäische Idee
Doch es gibt einen Gedanken, eine Vision, die auch Staaten wie Ungarn in die EU gebracht hat. Sie nennt sich: „Europäische Idee“. Frieden, Wohlstand, vergleichbare Standards – das verbindet man mit diesem Gedanken. Europa hat uns viel Gutes gebracht, Grund genug uns auch weiteren Herausforderungen zu stellen. Aufgaben zu wenden. Es ist deshalb auch unsere Aufgabe, dass diese Menschen in Ostungarn – und damit meine ich vor allem die Sinti und Roma – eine Chance haben. Eine Chance auf ein erträgliches Leben.

Unser Grundgesetz sagt gleich zu Beginn in Artikel 1 „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, das gilt auch über die (Landes-) Grenzen hinweg.
Ich lege mich fest: Im Moment ist der Alltag der Roma in Ostungarn menschenunwürdig.

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Hahn auf dem Gemeindebauernhof. Foto: Prämie_Photo

Die einzige Perspektive gibt dem Dorf die Reformierte Gemeinde von Göncruszka mit ihrem Pfarrer Levente, seiner Frau und ihren Mitstreitern. Ihre Aufopferung für die Menschen vor Ort ist unermesslich und beeindruckend. Die Kraft dazu finden sie in ihrem Glauben, weshalb sie ihre Arbeit auch mit einer Art Missionsgedanken verbinden. Dies mag man sicherlich kritisch bewerten können – aber mal ehrlich: Wer sonst? Wer sonst engagiert sich auf diese aufopferungsvolle Art für die Sinti und Roma in Ostungarn. Kaum jemand. Zumindest niemand, dessen Arbeit Früchte tragen würde. Und die Regierung Orban ist auch nicht gerade für ihre romafreundliche Politik bekannt, eher im Gegenteil. Auch Brüssel oder Berlin helfen nicht – es sind auch hier nur die schweizerischen, holländischen oder deutschen Partnergemeinden, die „Talentum“ in Göncruszuka unterstützen und durch ihre Spenden am Leben halten.

Früher „Der Zigeuner“, heute „der kriminelle Roma“
Doch kann man überhaupt nachhaltig helfen? Sinti und Roma haben keinen guten Ruf. Was früher „Der Zigeuner“ war, ist heute eben „der kriminelle Roma“. Selbst die Gemeindemitglieder vor Ort sagen im Gespräch, dass die Roma gar nicht arbeiten wollen. Sie würden doch eh nur rumsitzen und warten, bis ihnen etwas zu fällt, ihnen Hilfe gebracht wird. Das gelte für (fast) alle! Als ich diese Worte hörte, musste ich erst mal schlucken.

Den einzigen Leuten, die den Roma-Familien helfen nun Rassismus vorwerfen? Das fällt mir schwer. Und da sie aus ihrer täglichen Arbeit berichten, fällt es mir auch fast genauso schwer, zu widersprechen. Mir bleibt daher nur ein Schluss: Seit Generationen erfahren Roma Abneigung – früher gewalttätig und brachial, heute meist wohl ‚nur’ verbal und durch Benachteiligung. Menschen, die dies seit Jahrzehnten am eigenen Leibe erfahren, verinnerlichen es. Die Kinder nehmen es quasi mit der Muttermilch auf und gewöhnen sich rasch dran. Hinzukommt die Perspektivlosigkeit im Alltag Ostungarns. Warum soll man sich dann anstrengen, wenn es einerseits ohnehin wenig bringt und andererseits man diese Einstellung von Eltern, Großeltern, Nachbarn und Bekannten stets vorgelebt bekommt?
Und genau hier muss man, müssen wir, ansetzen: Es ist Aufgabe der Politik, Perspektiven zu schaffen und Aufgabe unserer Gesellschaft, ein Verständnis für die Situation zu entwickeln.

Denn eines sollten wir alle nicht vergessen: Die Roma aus Ostungarn versuchen dieser Situation zu entfliehen – denn so möchte wirklich niemand freiwillig leben. Sie sind die, die dann ganze Häuserblocks in den Straßen von beispielsweise Duisburg oder Berlin bewohnen. Dort erwartet sie die nächste Perspektivlosigkeit. Vielleicht sogar eine noch Schlimmere, weil sie, um dort hin zu gelangen, auch noch das Bisschen, was sie hatten, aufgegeben haben. Falls sie einen ungarischen EU-Pass haben, dürfen sie vielleicht bleiben – geholfen, ist ihnen damit aber nicht wirklich.

Also müssen die westeuropäischen Regierungen, Brüssel und Berlin, vor Ort – in Nordostungarn – tätig werden. Initiativen und Projekte wie Talentum müssen wir unterstützen und fördern. Nur so können wir den Menschen wirklich helfen. Den Roma in der Region zu helfen, ist wohl noch um einiges einfacher, als denen aus Nicht-EU-Staaten oder gar den Menschen in Syrien, wo politisch und humanitär deutlich schwerer eingewirkt werden kann.

Probleme lösen – und zwar gemeinsam

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Das Gemeindehaus in Göncruszka. Photo: Prämie_Photo


Und warum wir ihnen überhaupt helfen sollten? Na, weil wir es ihnen historisch, politisch und menschlich schuldig sind. Wir alle leben in einem Europa, einer Europäischen Union. Hinter den Grenzen dieser Union warten viele weitere Probleme und immer damit auch menschliche Schicksale. Diese Probleme sind vermutlich noch größer. Aber wie wollen wir Probleme in der Ferne angehen und diese lösen, wenn wir nicht mal die im eigenen Europa bewältigen können?

 Nötig ist ein Umdenken, das trifft jeden von uns. Handeln muss vor allem die Politik. Berlin, Brüssel und Budapest – tut etwas! Denn im Moment ist die Situation vor allem eins: Erbärmlich!

Das Armenhaus Europas

Eine Reportage von Philip Raillon

In Ostungarn hausen die Menschen in Ruinen. Obwohl die Region zur EU gehört, bleibt den Familien kaum etwas zum Leben. Der einzige Ausweg: Die Flucht nach Westeuropa

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Hier lebt eine Roma Familie: Die eine Hälfte des Hauses gibt es nicht mehr, die andere hat nur noch ein löchriges Dach.   PRaiMe_Photo

Das lange Gras wiegt sanft im Wind, der rote Mohn am Straßenrand verpasst den grauen Häusern einige Farbtupfer. An einem Sommertag wirkt das 600-Seelen-Dorf Göncruszka fast idyllisch. Ein alter Mann schiebt eine große Karre voller frischem Heu durch den Ort. Die Postbotin schlängelt sich auf dem Rad zwischen den teils 30 Zentimeter tiefen Schlaglöchern durch.

 

Es ist eine verlassene und wohl auch vergessene Region: Die Gemeinde Göncruszka-Vilmány liegt im Nordosten Ungarns, drei Autostunden von Budapest entfernt. Es sind nur noch zwölf Kilometer bis zur Slowakei, keine 50 bis zur ukrainischen Grenze. Die Europastraße 71 führt hier her – einspurig. Entlang der Landstraße liegen riesige Felder. Industrie gibt es nicht, die Arbeitslosigkeit liegt bei 80 Prozent. Der Wohlstand Europas? In diesem Teil der EU sucht man ihn vergeblich. Das Interesse der Öffentlichkeit an dieser Region? Es tendiert gegen null – und das, obwohl knapp 300 Kilometer weiter westlich derzeit hunderte Flüchtlinge vor dem Budapester Bahnhof campieren, begleitet von der Weltpresse. Die Region im Nordosten ist vergessen, die Menschen gleich mit – und das schon seit Jahren.

Zurück ins Dorf: Ein Pferdekarren biegt aus der geschotterten Seitenstraße. Am Rand laufen drei Roma-Kinder her. „Von den 2200 Bewohnern der Gemeinde, sind etwa 1600 Roma“, sagt Pfarrer Levente Sohajda. Während die ungarischen Familien meist noch in kleinen Häuschen wohnen, leben die Roma-Familien in zugigen Ruinen. In einer der Seitengassen steht eins dieser Häuser – die eine Hälfte fehlt, die Mauern sind zusammengefallen. Die andere Haushälfte, keine zwanzig Quadratmeter groß, hat immerhin noch ein Fenster. Das Dach, schief und löchrig. Draußen hängt schmutzige Wäsche. Eine Frau kommt aus einem Busch – Toiletten gibt es oft nicht.

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Eine Seitenstraße von Göncruszka bei Nacht. PRaiMe_Photo

Eine Ecke weiter steht die einzige Telefonzelle des Dorfes. Ausgeblichen erkennt man noch das magentafarbene „T“. Gegenüber stehen einige Menschen. „Die warten auf den Arzt. Der kommt irgendwann ab zehn – vielleicht… “, sagt eine Bewohnerin. Direkt daneben ist einer von zwei Läden: Frisches gibt es, wenn überhaupt, nur morgens.

 

Doch wovon Leben die Familien ohne Arbeit? Der ungarische Staat zahlt eine überschaubare Stütze. „Wenn man nur zu Hause sitzt, dann bekommt man 22.000 Forint“, sagt Pfarrer Levente. Das sind 70 Euro. Wer täglich soziale Arbeit erledigt, bekommt immerhin umgerechnet 160 Euro – nur es gibt gar nicht genug Aufgaben. Die Roma, vom Bürgermeister benachteiligt, gehen oft leer aus. Das meiste Geld gibt es pro Kind – knapp 40 Euro. „So wird aus ihnen schnell ein Geschäft“, so Levente traurig.

Gerade die Roma haben oft acht oder neun Kinder pro Familie. Sie teilen sich die Baracken mit anderen. Eine der Ruinen ist besonders auffällig: Eine obdachlose Familie bekam vor einigen Jahren das nicht fertige Haus von der Gemeinde, unter dem Versprechen, es fertig zu bauen. Getan hat sich nichts mehr. Stattdessen steht der Kühlschrank unter freiem Himmel, der Müll liegt im Vorgarten. Das Dach ist seitlich offen, es regnet herein. In einem Bretterverschlag verharrt ein dürres Pferd. Ein kleiner Roma-Junge steht im Eingang des Hauses. Schnell zieht ihn eine junge Frau wieder hinein. Die Schwester? Die Mutter? Schwer zusagen! Roma-Mädchen, die mit 17 noch kein Kind haben, fallen auf. „Immer häufiger kommt es vor, dass eine 13-jährige Mutter ihr Kind getauft haben möchte. Daneben steht dann die 28-jährige Großmutti auch mit einem Neugeborenen,“ erzählt Levente.

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Der Kühlschrank steht draußen, seitlich kann es hineinregnen.      PRaiMe_Photo

Während im Sommer das Leben der Roma ertragbar scheint, wird es im Winter zum Kampf: Geheizt wird mit Feuer, die Familien verbrennen alles – auch die eigene Kleidung. Fenster und Türen haben die Ruinen oft nicht, also kauert man sich zusammen.

Viele verlassen die Region. Von den Ungarn ist längst gegangen, wer gehen konnte. Die Roma folgen kontinuierlich – auch nach Deutschland. „Viele von ihnen kommen aber wieder, weil sie es nicht geschafft haben,“ sagt Levente. Was man vorher hatte, ist dann auch noch weg. Das Ganze beginnt von vorne. Noch ärmer. Noch aussichtsloser.

Spätestens dann bietet die reformierte Gemeinde den letzten Ausweg: Sie hat ein Schutzhaus, wo es etwas zu essen gibt. „Wir wollen ihnen auch zeigen, dass es sich lohnt zu arbeiten“, sagt Leventes Frau. Neulich pflanzten sie mit den Jugendlichen Gemüse an. Was erst spannend war, wurde schnell öde. „Wieso machen wir das? Wir können es doch beim Nachbarn klauen“, habe ein Junge gefragt.

Trotzdem: Nach und nach gibt die Gemeinde den Jugendlichen eine Perspektive. Auch durch die reformierte Grundschule, wo sie ungarische Kinder, Roma-Kinder und Waisenkinder gemeinsam unterrichtet. In den Schulräumen wird gelacht, gespielt und gelernt. Die Kinder gehen gerne zur Schule. Manche schaffen sogar den Sprung auf das Gymnasium, welches 50 Kilometer entfernt in Miskolc ist. Finanziert wird die Schule nicht vom Staat, sondern fast komplett über Spenden – auch aus Deutschland. Spenden, die den Menschen dort eine Perspektive geben, wo sie zuhause sind.

 


INFO

 

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Gespenstige Stille: Die Dorfstraße von Göncruszka im Osten Ungarns. PRaiMe_Photo

Die reformierte Grundschule in Göncruszka gibt es seit acht
Jahren. In den Klassen sitzen maximal 21 Schüler, wobei jährlich mehr Plätze vergeben werden könnten. Die Kinder werden nach deutscher Pädagogik unterrichtet

 

Die Projekte werden unteranderem durch den Erlös von Honig finanziert. Jedes Jahr schleudert die Gemeinde mehrere tausend Gläser ungarischen Honig, der von westeuropäischen
Partnergemeinden vertrieben.


 

 

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